Winterreise mit Startenor Julian Prégardien

LIMBURG. Fast 50 Schülerinnen und Schüler der Klassen zehn bis 13 der Limburger Tilemannschule haben gemeinsam mit dem aus Limburg stammenden Tenor Julian Prégardien in nur zwei Tagen Teile aus Franz Schuberts „Winterreise” erarbeitet und in der Josef-Kohlmeier- Halle auf die Bühne gebracht. Das Ziel von Julian Prégardien, den jungen Menschen klassische Musik auf unterschiedliche Weise erlebbar zu machen, ist in jeder Hinsicht aufgegangen. Zwar steht Schuberts Winterreise in der Oberstufe auf dem Lehrplan, aber sich dann so intensiv damit auseinanderzusetzen, war für einige der Schüler doch neu. Wichtig ist Julian Prégardien auch, Hemmschwellen und Vorurteile abzubauen. Häufig sei er mit dem Vorurteil konfrontiert, dass jemand nicht singen könne. „Jeder kann singen“, betont er. Das wird auch vom Pianisten Michael Gees, dem Prégardien eine „nicht zu stillende Neugier auf tönende Menschen“ zuschreibt, unterstützt. „Es muss nicht perfekt sein, wir müssen nicht so lange polieren, bis alles glänzt“, macht er den Schülern Mut. Freude an der Musik möchte er ihnen mitgeben. Den Namen „Prégardien“ erst mal gegoogelt Daran hat auch entscheidend Bratschistin Selina Pilz Anteil, die beim Auftritt mitgespielt hat. Der 18-jährige Abdullah Sharef singt im Schulchor und hat an dem Projekt teilgenommen. „Ich kannte Julian Prégardien nicht, habe den Namen erst einmal gegoogelt“, erzählt er. „Ich habe mich gefragt, was auf mich zukommt und ob wir das überhaupt schaffen können. Dann habe ich mich aber einfach überraschen lassen.“ Glücklich strahlt er nach dem Auftritt, dass sie es geschafft haben. Julian Prégardien hat viele persönliche Bindungen zu Limburg. Er hat auf der Tilemannschule Abitur gemacht und besucht regelmäßig seine Mutter in der Domstadt. Viele Konzertbesucher kennt er persönlich. Es lag nahe, dass er mit seinem Projekt „Liedstadt“ seine frühere Schule angesprochen hat. Positiv überrascht war er über die 55 Anmeldungen von Schülern aus Chor und Orchester, die am Projekt teilnehmen wollten. „Wir haben gemeinsam überlegt, welche Themen aus der Winterreise interessant sind. Der Liederzyklus greift durchaus Themen auf, welche die Schüler beschäftigen. Liebeskummer ist ja in diesem Alter immer mal ein Thema“, meint er schmunzelnd. Besondere Auftritte als Gesangssolisten hatten die 16- jährige Jana Gebhardt und der gleichaltrige Joel Stambke. Sie durften zusammen mit Julian Prégardien einen wunderschönen Kanon singen. „Ich hatte noch nie einen Auftritt mit so wenig Vorbereitungszeit“, sagt Jana, die sonst eher im Bereich Pop und Jazz zu Hause ist. „Wir haben total viel improvisiert und ich konnte mal in ein ganz anderes Genre reinschauen.“ Erleichtert, zufrieden und glücklich Als besondere Erfahrung bezeichnet Joel Workshop und Auftritt. Beide sind nach ihrem Auftritt erleichtert, zufrieden und glücklich. Ungewöhnlich die Inszenierung der ersten und einzigen Limburger Winterreise: Schüler ahmen Windgeräusche nach, Julian Prégardien singt mit seinem warmen, ausdrucksstarken Tenor, die von den Schülern ausgewählten Lieder. Es gibt reine Instrumentalparts, Chorbegleitung für Julian Prégardien , aber auch den Einsatz eines „Regenmachers“, Perkussionsinstrumente sowie choreografische Elemente. Das Publikum ist begeistert. Was wünscht sich Julian Prégardien nach dem Workshop? „Ideal wäre eine Gemeinschaft vor Ort, die das Projekt ,Liedstadt‘ mitträgt und andere dafür begeistert.“

Quelle: Bild und Text von Andreas E. Müller (NNP)