Von der Klinik ins Labor: Einblicke in die Krebsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum in Heidelberg
Eine besondere Chance für die Tilemannschule: 16 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 durften bei einem eigens entwickelten Pilotprojekt in Heidelberg erleben, wie moderne Leberkrebsforschung funktioniert.
Wie wird aus einer Patientenprobe eine wissenschaftliche Erkenntnis? Und welche Rolle spielen Medizin, Biologie und Informatik bei der Erforschung von Krebs? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 16 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 der Tilemannschule Limburg am 17. und 18. August 2026 in Heidelberg.
Die zweitägige Veranstaltung war ein besonderes Pilotprojekt des Forschungsnetzwerks Liver Systems Medicine against Cancer (LiSyM-Cancer). In engem Austausch mit der Netzwerkkoordination wurde das Programm gezielt auf die Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler der Tilemannschule zugeschnitten. Finanziert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), ermöglichte das Projekt den Jugendlichen eine außergewöhnliche Gelegenheit, aktuelle medizinische Forschung hautnah kennenzulernen und selbst wissenschaftlich zu arbeiten.
Nach einer Einführung in die Funktionen der Leber, die Entstehung von Leberkrebs und die Forschungsarbeit des Netzwerks erkundeten die Jugendlichen in kleinen Gruppen abwechelnd verschiedene Stationen am Universitätsklinikum Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).
Zwischen OP-Saal und Labor
In der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg erhielten die Jugendlichen Einblicke in den medizinischen Alltag und erfuhren, wie Ärztinnen und Ärzte Behandlungen planen und Patientinnen und Patienten versorgen. Besonders eindrucksvoll war die Möglichkeit, verschiedene Operationen live zu beobachten. Im Skills Lab konnten sie außerdem selbst chirurgische Instrumente ausprobieren und kleine Bausteine möglichst präzise bewegen. Dabei wurde deutlich, wie viel Geschick und Konzentration bei minimalinvasiven Eingriffen erforderlich sind.
Im Forschungslabor durften die Schülerinnen und Schüler selbst experimentieren und wissenschaftliche Arbeitstechniken praktisch erlernen. Unter Anleitung der Forschungsteams von Professorin Ursula Klingmüller und Professorin Almut Schulze beschäftigten sie sich mit der Regeneration der Leber und der Entstehung einer Fettleber. Dabei lernten sie, wie Zellen miteinander kommunizieren und welche Rolle Signalwege und die Speicherung von Fetten bei Lebererkrankungen spielen können.
An verschiedenen Laborstationen wurden die theoretischen Inhalte direkt in die Praxis umgesetzt. So bestimmten die Jugendlichen mithilfe des sogenannten BCA-Assays die Konzentration von Proteinen in Proben. Anschließend lernten sie das Verfahren des Immunoblots kennen, mit dem bestimmte Proteine nachgewiesen und untersucht werden können. Dabei erhielten sie Einblicke in die einzelnen Arbeitsschritte, den sorgfältigen Umgang mit Proben und die Bedeutung präziser Laborarbeit.
An einer weiteren Station untersuchten sie Lipidtröpfchen, in denen sich Fette innerhalb von Zellen ansammeln können. Sie erfuhren, wie solche Fettablagerungen mit der Entstehung einer Fettleber zusammenhängen. Außerdem wurde ihnen mithilfe der qPCR gezeigt, wie sich die Aktivität bestimmter Gene untersuchen lässt. Ergänzend erhielten sie Einblicke in die Zellkultur, bei der Zellen unter kontrollierten Bedingungen im Labor gehalten und erforscht werden. Auch die Massenspektrometrie, ein wichtiges Verfahren zur Analyse biologischer Proben, wurde vorgestellt.
Durch das eigene Experimentieren konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur neue Methoden kennenlernen, sondern auch nachvollziehen, wie wissenschaftliche Fragestellungen in konkrete Versuche übersetzt werden. Sie erfuhren, warum genaues Pipettieren, standardisierte Abläufe und eine sorgfältige Auswertung entscheidend sind, um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. So wurde aus theoretischem Wissen ein praktischer Einblick in die tägliche Arbeit der Krebsforschung.
Von der Patientenprobe zur digitalen Analyse
Ein weiterer Schwerpunkt war die Bioinformatik. Sebastian Kaletta und Dr. Christina Schmidt erklärten, wie medizinische und biologische Daten mithilfe von Computern zusammengeführt und ausgewertet werden. Moderne Krebsforschung findet schließlich nicht nur im Labor statt: Erst durch die Verbindung von klinischen Befunden, Probenanalysen und molekularbiologischen Daten lassen sich komplexe Zusammenhänge besser verstehen.
Die Jugendlichen konnten so den Weg einer Patientenprobe nachvollziehen – von der medizinischen Diagnose über die Untersuchung im Labor bis zur computergestützten Datenauswertung. Sie erlebten, wie unterschiedliche Fachrichtungen zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und langfristig bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Wissenschaft als mögliche Zukunft
Auch die berufliche Orientierung kam nicht zu kurz. Beim „Meet the Scientist“ konnten die Schülerinnen und Schüler mit Studierenden und Nachwuchsforschenden über Studiengänge, Finanzierungsmöglichkeiten und Karrierewege sprechen. Dabei wurde deutlich, dass der Weg in die Wissenschaft nicht von Anfang an feststehen muss und viele unterschiedliche Möglichkeiten bietet.
Die beiden Projekttage zeigten eindrucksvoll, wie eng Medizin, Biologie, Biochemie und (Bio-)Informatik in der modernen Krebsforschung zusammenarbeiten. Für die Schülerinnen und Schüler war das Pilotprojekt weit mehr als eine Ergänzung zum Unterricht: Sie konnten selbst wissenschaftliche Methoden anwenden, neue Experimentiertechniken erlernen und Forschung hautnah erleben.








