Zwischen Radikalisierung und Neuanfang: Jahrgangsstufe 10 im Austausch mit einem Aussteiger aus der rechtsextremen Szene

Am 6. Februar 2026 war der ehemalige Neonazi und heutige Extremismus-Präventionsreferent Axel Reitz zu Gast an unserer Schule und sprach vor der Jahrgangsstufe 10.
Reitz, Jahrgang 1983, war über Jahre eine zentrale Figur der deutschen Neonaziszene und bundesweit bekannt. Bereits als Jugendlicher rutschte er in extremistische Strukturen, entwickelte sich zum Kader und Propagandisten und verbüßte nach juristischen Konflikten eine Haftstrafe wegen Volksverhetzung. 2012 erklärte er öffentlich seinen Ausstieg aus der Szene. Seither engagiert er sich in der Extremismusprävention, arbeitet mit staatlichen und kirchlichen Initiativen zusammen und unterstützt Ausstiegswillige auf ihrem Weg zurück in die demokratische Gesellschaft. Dafür arbeitet er mit dem Verein „Extremislos e.V“ zusammen.
In seinem Vortrag schilderte er eindrücklich, wie Radikalisierung funktioniert, welche Dynamiken und Mechanismen innerhalb der Szene wirken und welche persönlichen Abgründe damit verbunden sind. Besonders erschütternd wirkten Bilddokumente aus seiner Vergangenheit – Aufnahmen aus rechtsextremen Parteiversammlungen, von Demonstrationen und aus dem Umfeld nationalsozialistischer Symbolik.
In der anschließenden Fragerunde zeigte sich, wie intensiv sich die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Die Zeit reichte kaum aus, um alle Fragen zu beantworten. Mit großer Aufmerksamkeit, Ernsthaftigkeit und spürbarer Betroffenheit fragten sie nach persönlicher Verantwortung, nach Schuld, nach heutigen Kontakten zu früheren Weggefährten und nach den Lehren aus dieser Biografie.
Die Veranstaltung hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und stellte einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung an unserer Schule dar.
Nina Eirich
