Griechisch

Die Tilemannschule ist eine der wenigen Gymnasien in Hessen, an denen ihr Griechisch lernen könnt. Wir bieten es als 3. Fremdsprache ab der 9. Jahrgangsstufe an. Wenn ihr Griechisch auch in der Oberstufe als Grundkurs belegt, könnt ihr auf eurem Abitur das Prädikat "Graecum" erhalten.

Griechisch an der Tilemannschule ist eine Kombination aus Sprach- und Kulturfach. Ihr lernt das Griechisch des antiken Griechenlands und taucht auf diese Weise in die Phase der Geschichte ein, die zur Wiege der Europas geworden ist. Diese Prägung ist so stark, dass wir sie heute noch überall in unserem Leben finden: in Fachbegriffen aus Medizin und Technik, in Hunderten von Alltagsworten (Alphabet, Auto, Ball, Bibel, Butter, Chaos, Energie, Gitarre, Idee, Kino ...), in Wissenschaft, Kunst und Kultur, Politik und Sport, kurz: in unserem Werteverständnis und täglichen Miteinander.

Hier ein kleiner Ausschnitt von Themen, mit denen wir uns intensiv beschäftigen:

Themenbereich Mythen

Ihr kennt sicher die Erzählungen vom Trojanischen Krieg, von Odysseus uns seinen Irrfahrten, von Theseus und dem Minotauros, von Ariadne und dem roten Faden, von Herakles / Hercules, von den Olympischen Göttern und Titanen wie Prometheus, der den Menschen das Feuer bringt und dafür von Zeus ganz furchtbar bestraft wird. Auch Namen wie Medea, Antigone oder Oidipus habt ihr sicher schon einmal gehört.
Diese Mythen machen aber nicht nur Spaß: Mythen erklären bildhaft die Welt – wie und warum sie so ist, wie sie ist, welche Rolle uns zukommt und welche Grenzen wir einzuhalten haben.
Prometheus z.B. zeigt uns die Möglichkeiten und Gefahren des technischen Fortschritts auf; und mit Homers Ilias – dem ältesten literarischen Werk der westlichen Welt – diskutieren wir über den Wert von Freundschaft und die fatalen Auswirkungen, die Streit und Zorn haben können. Mit der Tragödie des Oidipus fragen wir, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben und wie es mit Schuld und persönlicher Verantwortung in unserem Handeln aussieht.

Themenbereich Natur und Umwelt

Ihr erlebt anhand originaler Textzeugnisse mit, wie sich innerhalb von nur gut 300 Jahren eine auf der Welt einzigartige Entwicklung vollzieht: die Griechen machen sich auf die Suche nach dem Ursprung allen Lebens, nach dem Urstoff der Welt. Sie beginnen zu forschen, zu hinterfragen, zu analysieren – und erkennen, dass die Erde eine Kugel ist, sich die Erde um die Sonne dreht, alles aus kleinsten Teilchen, den Atomen, besteht und vieles andere mehr. Kurzum: die Griechen erfinden und etablieren die Naturwissenschaften.

Themenbereich Theater und Tragödie

Trotz aller naturwissenschaftlichen Erkenntnisse bleiben die Griechen eng mit dem Mythos verbunden, weil diese die Probleme, Gefahren und Chancen des menschlichen Lebens und der Gesellschaft an sich thematisieren. Wir werden auf der Basis der antiken Tragödien viel darüber diskutieren, wo Recht aufhört und Unrecht anfängt, wie weit wir mit unserem Handeln gehen können, in welchem Maße wir das Schicksal beeinflussen können und wie weit die Verantwortlichkeit des Einzelnen reicht.
Die Griechen sind nämlich die Erfinder des Theaters mit seinen Tragödien und Komödien. Dass Dichter und Schriftsteller wie Goethe, Schiller, Shakespeare bis hin zu Christa Wolf und vielen anderen dem Griechischen verpflichtet sind, unterstreicht seine Bedeutung.

Themenbereich Geschichtsschreibung

Im antiken Griechenland erfolgt zum ersten Mal in der Welt eine kritische Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangenheit, aus der die Geschichtsschreibung hervorgeht. Herodot, der später als "Vater der Geschichtsschreibung" geehrt worden ist, analysiert die Auseinandersetzung der Griechen mit den Persern, die er als Kind selbst miterlebt hat und kommt zu dem Schluss, das Politik und politische Entscheidungen von Gesetzmäßigkeiten bestimmt werden, die unabhängig von Raum und Zeit sind. Aufforderung genug, unser eigenes Handeln und Agieren in der Weltpolitik ordentlich unter die Lupe zu nehmen.

Themenbereich Philosophie

Beeinflusst von den Entdeckungen und Überlegungen der frühen Naturwissenschaftler formt sich immer mehr die Vorstellung, alles in der Hand zu haben, für das eigene Glück selbst verantwortlich zu sein, alles erreichen zu können. Die sogenannten Sophisten vertreten diese Position. Dem stellt sich Sokrates demonstrativ entgegen, weil er fragt, wie weit man in der Selbstverwirklichung gehen darf, was denn Glück, Gerechtigkeit und das Gute wirklich ist, und zwar absolut gesehen und für jeden gültig. Damit ist die Philosophie geboren.
Gerade in der heutigen multikulturellen Welt mit ihren unterschiedlichen Werten und Normen sind Sokrates' Fragen von größter Bedeutung – und die Tagespolitik zeigt uns leider, dass wir noch immer keine Antwort gefunden haben. Zeit, sich damit intensiv zu beschäftigen!

Unterricht

In der 9. und 10. Jahrgangsstufe arbeiten wir auf Basis des Unterrichtsbuchs „Xenia“. Das Buch ist toll, weil wir von Beginn an in all die oben genannten Themen reinschnuppern können. Allerdings ist es so umfangreich, dass wir nur einen Teil der gebotenen Kapitel behandeln. Denn mit Beginn der E-Phase starten wir mit der Originallektüre und gehen dann "ins Eingemachte". Wir lesen im Rahmen der Oberstufe Originaltexte von Homer, Platon, den Vorsokratikern (Naturwissenschaften), Tragödien- und Komödiendichter, Lyriker, Herodot und vieles mehr. Die Texte sind aufbereitet mit zahlreichen Vokabelangaben, Karten, Bildern und anderen schönen Dingen.
Egal bei welchem Thema ihr aktuell seid: ihr werdet immer Verbindungen zur Gegenwart finden und über grundlegende Fragestellungen zum Wesen des Menschen und seiner Rolle in der Welt diskutieren.

Einen Blick ins Buch gibt es hier.

Ausflüge

Im Rahmen des Fahrtenprogramms besucht ihr z.B. das Akademische Kunstmuseum in Bonn mit seinen original Statuen und Gipsabgüssen, das Liebieghaus in Frankfurt oder auch die Frankfurter Universität, um einen Einblick in die Gestaltung und Herstellung antiker Tongefäße zu erhalten. Natürlich stehen auch je nach Angebot Sonderausstellungen auf dem Programm.

Voraussetzungen

Voraussetzungen sind vor allem Spaß an Sprache und Bereitschaft, Sprachen zu lernen zu nennen. Wenn Ihr Freude am Diskutieren habt und gerne „hinter die Kulissen schaut“, gerne die Welt und die Menschen hinterfragt, Interesse an Mythologie und ihrer Bedeutung für uns habt, wenn ihr schon immer in Philosophie und grundlegende Fragen des menschlichen Lebens hineinschnuppern wolltet, seid ihr hier sicherlich richtig. Lateinkenntnisse sind NICHT erforderlich, die Unterrichtssprache ist deutsch.